Wagnergasse 5, 88633 Heiligenberg-Wintersulgen, Tel.: 07554-972 04, Fax: 972 18,

 
 
 
Grundlagen der PĂ€dagogischen Arbeit 
 
 
Unsere Grundhaltung

Entsprechend den GrundsÀtzen unseres Verbandes begegnen wir den Bewohnern und Familien unserer Einrichtung mit WertschÀtzung, unabhÀngig von Herkunft, ethnischer und religiöser Zugehörigkeit, Begabung, Geschlecht, Aussehen, UmgÀnglichkeit und Lebensentwurf. Eine solche Haltung kann nur gelingen, wenn sie auch zwischen den Mitarbeitern verwirklicht und gelebt wird.
Wir achten, wahren und fördern dabei insbesondere das Recht der uns anvertrauten Menschen auf
  • Körperliche Unversehrtheit
  • Psychische Unverletzlichkeit (Schutz vor psychischen Verletzungen, Diskriminierungen)
  • Entfaltung der Persönlichkeit im Rahmen der Zielabsprachen des Hilfeplans
  • Wahrung ihrer Eigentumsrechte
  • Vertraulichkeit und Schutz ihrer Daten
    Beteiligung an allen sie betreffenden Entscheidungen
    entsprechend ihres Alters und Entwicklungsstandes

Betreuungszeiten

Der Kastanienhof ist an 365 Tagen im Jahr geöffnet mit einem Betreuungsumfang von 24 Stunden pro Tag.
Die Kinder- und Jugendlichen haben nach der Aufnahme ihren Lebensmittelpunkt im Kastanienhof. Das heißt, dass sie nicht nur wĂ€hrend der Schulzeiten, sondern auch an den Wochenenden und in den Ferien ein Betreuungsangebot durch die Einrichtung haben. In der Regel besuchen die Kinder und Jugendlichen, je nach Absprache und entsprechend der Hilfeplanung, ihre Eltern an ausgewĂ€hlten Wochenenden bzw. in den Ferien.


Alltagsgestaltung

Im Kastanienhof soll zunĂ€chst vor allem emotionale Geborgenheit und Sicherheit vermittelt werden, damit auf dieser Grundlage eine Vertrauensbasis entstehen kann. GĂŒnstig dafĂŒr wirken sich hier die kleine, fĂŒr das Kind bzw. den Jugendlichen ĂŒberschaubare GruppengrĂ¶ĂŸe und die konstanten Bezugspersonen aus.

Jedes Kind/jeder Jugendliche hat einen eigenen Bezugserzieher bzw. eine Bezugserzieherin, der/die insbesondere fĂŒr die Koordination und DurchfĂŒhrung der Inhalte des individuellen Erziehungsplanes bei „seinem“/“ihrem“ Bezugskindes verantwortlich ist und Ansprechpartner/-in fĂŒr Eltern, Lehrer und andere an der Hilfe beteiligten Personen ist.

Von großer Bedeutung ist die nahe Alltagsorientierung, die sich u. a. im klar strukturierten Tagesablauf widerspiegelt. Der tĂ€glich wiederkehrende Rhythmus der festen Zeiten, Dienste und FreizeitaktivitĂ€ten bietet sowohl Orientierung als auch Sicherheit.

Die fĂŒr alle verbindlichen Regeln und AblĂ€ufe können in unserem „Kastanienhof-Handbuch“ nachgelesen werden, einer Art Nachschlagewerk fĂŒr das Leben im Kastanienhof.
Einmal wöchentlich findet unsere „Kastanienhofkonferenz“ statt. Alle Kinder, Jugendlichen und Mitarbeiter versammeln sich zu einer nach festen Regeln stattfindenden GesprĂ€chsrunde, in der alle Themen angesprochen werden können, die fĂŒr die Allgemeinheit von Bedeutung sind. Hier können Beschwerden, Anregungen, Kritik und VerbesserungsvorschlĂ€ge eingebracht werden. Es wird das Gruppenleben reflektiert und Informationen werden ausgetauscht. Ein Kind/Jugendlicher fĂ€hrt Protokoll und moderiert die Konferenz.

Um die SelbststĂ€ndigkeit der einzelnen Bewohner zu fördern, werden alle anfallenden Arbeiten im Haushalt weitgehend von den Kindern und Jugendlichen, bei Bedarf unter Anleitung, durchgefĂŒhrt. So wird z. B. auch die eigene WĂŒsche am wöchentlichen Waschtag selbststĂ€ndig gewaschen und versorgt. Das tĂ€gliche gemeinsame Kochen, der Einkauf, die anfallenden Putz- und Gartenarbeiten werden von den Kindern - und Jugendlichen ĂŒbernommen. Ebenso die wöchentliche Wartung der Fahrzeuge.


Partizipation und Beschwerdeverfahren

Partizipation (Beteiligung)
Im Kastanienhof wird ein partizipationsfreundliches Klima gefördert und auf die Umsetzung im Alltag geachtet. Die im Kastanienhof lebenden Kinder und Jugendlichen werden, entsprechend ihrem Entwicklungsstand, an allen sie betreffenden Entscheidungen beteiligt.Sowohl die institutionellen Rahmenbedungeungen dieser Partizipation, als auch die konkrete und individuelle Ausgestaltung im Alltag sind in unserem, fĂŒr alle frei zugĂ€nglichen Kastanienhofhandbuch nachzulesen.
Dabei ist besonders unsere wöchentlich stattfindende Kastanienhofkonferenz haervorzuheben, an der alle Kinder/Jugendlichen und Mitarbeiter teilnehmen (siehe "Alltagsgestaltung".
Im Kastanienhof werden die jungen Menschen sowohl an konzeptionellen Themen wie Regeln und Normen, als auch an alltagsorientierten Bereichen wie beispielsweise der Tagesplanung beteiligt oder an der Gestaltung des Speiseplans. Sie werden in die Freizeitgestaltung mit einbezogen, in die Planung von Ferienfreizeiten und an der Auswahl ihrer Kleidung, dem Mobiliar im Haus und ihrer Zimmereinrichtung beteiligt.
DarĂŒber hinaus werden die jungen Menschen am gesamten Prozess der Hilfeplanung und insbesondere am HilfeplangesprĂ€ch beteiligt. Sie werden in die Wahl ihrer Bezugserzieher mit einbezogen und in die Entwicklung von Projekten eingebunden.

Beschwerdeverfahren
Das im Kastanienhof praktizierte Beschwerdeverfahren steht im Zusammenhang mit der oben erwÀhnten Partizipation und wird ebenso alltagsorientiert umgesetzt. Auch das Beschwerdeverfahren ist im Kastanienhof-Handbuch nachzulesen:

- jedes Kind/jeder Jugendliche erhÀlt am Tag der Aufnahme
die Telefonnummer seines fĂŒr ihn zutĂ€ndigen
Sozialarbeiters
- In der wöchentlich stattfindenden Kastanienhofkonferenz
ist Raum fĂŒr Beschwerden
- Einmal im Monat findet ein sogenanntes "MonatsgesprÀch"
zwischen jedem einzelnen Kin/Jugendlichen und der
Heimleiterin statt, bei dem nicht nur Probleme
angesprochen, sondern auch konkrete Beschwerden
geĂ€ußert werden können. Dieses GesprĂ€ch wird
protokolliert und ggf. weitere Handlungsschritte mit
dem jungen Menschen vereinbart. DarĂŒber hinaus ist die
Vereinbarung eines GesprÀchs mit der heimleiterin
jederzeit möglich.
- Die Eltern werden bereits im AufnahmegesprĂ€ch ĂŒber das
Beschwerdeverfahren informiert.

Unsere Mitarbeiter werden zu den Themen Partizipation und Beschwerdeverfahren geschult durch:
- TeamgesprÀche, in denen die Einhaltung der Beteiligung
der Kinder und Jugendlichen regelmĂ€ĂŸig ĂŒberprĂŒft und
reflektiert wird.
- Fortbildungen
- Supervision
- Diskussionen im Rahmen der Leitbildentwicklung


Kleingruppenarbeit

Über die tĂ€glich wiederkehrenden AktivitĂ€ten hinaus, findet im Kastanienhof auch Kleingruppenarbeit statt, die ein fester Bestandteil des Alltags ist. In diesem Rahmen können alters-, sozialiisations- oder geschlechtsspezifische Interessen und Fragestellungen der jungen Menschen aufgegriffen und intensiv bearbeitet werden.
Die Kleingruppenarbeit dient dazu, Störungen und traumatische Erfahrungen der Kinder und Jugendlichen pĂ€dagogisch aufzuarbeiten und/oder zu lindern und Symptome, die den Kindern eine souiale Integration erschweren bzw. nicht ermöglichen, zu verringern oder zu beheben. Symptome werden als Lösungsversuche fĂŒr einen bestimmten Zustand und ein bestimmtes Problem verstanden. Der Erzieher/die Erzieherin stehen verschiedene Methoden zur VerfĂŒgung, die den Kindern helfen, Blockaden aufzubrechen, neue Denk- und Verhaltensmuster zu installieren und einzuĂŒben, emotionale ZustĂ€nde zu erkennen und zu verarbeiten.

Ein weiteres Ziel der Kleingruppenarbeit ist die AusdauerfĂ€higkeit und das Durchhaltevermögen durch Übernahme von Verantwortung z. B. im Rahmen von Projektarbeit oder ErlebnispĂ€dagogik zu stĂ€rken und weiterzuentwickeln. ZustĂ€ndigkeiten werden vereinbart und durch entsprechendes Handeln und Konsequenzen deutlich.
Die Methoden sind auf Entwicklungsstand und Alter der jungen Menschen abgestimmt z. B. in Form von Kompetenztrainings in den Bereichen Natur-, Erlebnis-, Kunst und HeilpÀdagogik und ausgewÀhlten Sportangeboten.


Freizeit

Die Freizeitgestaltung der einzelnen Bewohner hÀngt von Alter und Interesse ab und kann ganz unterschiedlich aussehen.
WĂ€hrend der Woche wird nach den Hausaufgaben bzw. der Lernzeit der Tag durchgesprochen. Durch anstehende Termine und/oder Besorgungen, wie z.B. Arztbesuche oder EinkĂ€ufe, kann eine gewisse Struktur bereits vorgegeben sein. Wenn nicht, spielen Sport und AktivitĂ€ten im Freien eine groöe Rolle im Kastanienhof. Durch die ruhige Lage am Ortsrand, dem großen Garten mit Spielplatz, Volleyballfeld, KletterbĂ€umen und dem Bolzplatz in unmittelbarer NĂ€he findet jeder eine passende BeschĂ€ftigung. DarĂŒber hinaus findet ein regelmĂ€ĂŸiges Sportprogramm u. a. mit Schwimmen, Joggen und Basketball auch mit Hallennutzung statt. Im Winter gibt es einen Skilift, der sich ganz in der NĂ€he befindet und gut zu Fuß erreichbar ist.
Im Haus gibt es darĂŒber hinaus Tischkicker, Billard und Gesellschaftsspiele, die den ganzen Tag zur VerfĂŒgung stehen.

NatĂŒrlich ist es auch möglich, sich nachmittags nach Absprache mit Freunden zu verabreden oder Besorgungen zu machen. Wir fördern die selbststĂ€ndige Freizeitgestaltung insbesondere bei den GrĂ¶ĂŸeren und ĂŒbergeben an sie auch die Erledigung ihrer persönlichen Angelegenheiten wie kleinere BehördengĂ€nge oder die Besorgung von Hygieneartikeln fĂŒr ihren persönlichen Bedarf.

Am Wochenende ist mehr Zeit fĂŒr FreizeitaktivitĂ€ten, so dass AusflĂŒge unternommen werden, wie z. B. Kino- oder Museumsbesuche.


Ferien

Da der Kastanienhof auch ĂŒber die Ferien geöffnet ist, findet in dieser Zeit in der Regel, neben den ĂŒblichen Alltags- und FreizeitbeschĂ€ftigungen, ein Ferienprogramm statt. HierfĂŒr ist die Lage zwischen Bodensee und SchwĂ€bischer Alb im Sommer wie im Winter ideal.
Unsere mehrtĂ€gigen Ferienfreizeiten finden jedes Jahr ĂŒberwiegend in den Pfingst- und Sommerferien statt. Sie orientieren sich ebenfalls an erlebnispĂ€dagogischen Inhalten.WĂ€hrend der Freizeiten befindet sich die Gruppe ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum außerhalb der Einrichtung, in einer anderen Umgebung in der sie sich mit neuen Strukturen auseinandersetzen muss. In einem ungewohnten Umfeld können sich die Teilnehmer fern der gewohnten Regeln und Rahmenbedingungen des Heimalltages anders erleben und daher neue Erfahrungenz. B. durch das "Rund-um-die-Uhr-Zusammenleben" machen.
Immer wieder verreist die Gruppe auch ins Ausland, wo das Kennenlernen anderer Orte/LĂ€nder und das sich einstellen auf die dort herrschenden GebrĂ€uche eine große Rolle spielt. Die Auseinandersetzung mit dem "Fremden" wird von uns als wichtiger Bestandteil einer umfassenden Bildung verstanden.


Hilfe- und Erziehungsplanung

In regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden findet im Rahmen der Hilfeplanung nach § 36 KJHG, unter Leitung des Jugendamtes, ein HilfeplangesprĂ€ch statt. Daran sollten alle am Hilfeprozess beteiligten Personen teilnehmen (§ 37 KJHG).
Aus dem Hilfeplan entwickeln wir fĂŒr das Kind/den Jugendlichen einen einrichtungsspezifischen Erziehungsplan, wiederum unter Beteiligung der Eltern und vor allem des jungen Menschen.


Integration

Unter Integration verstehen wir die Einbindung unserer Kinder und Jugendlichen in das am Ort gegebene soziale Umfeld u. a. durch Teilnahme an Dorffesten, das DurchfĂŒhren von eigenen Festen und das Fördern von freundschaftlichen Kontakten mit Kindern und Jugendlichen außerhalb des Kastanienhofs.
Wenn möglich nutzen unsere Kinder/Jugendlichen die Angebote innerhalb der Gemeinde. Dazu gehören z. B. Sportvereine, die freiwillige Feuerwehr, sowie die Zusammenarbeit mit Betrieben.


Zusammenarbeit mit den Eltern

Ausgehend vom systemischen Ansatz der Familientherapie wird in der pÀdagogischen Arbeit des Kastanienhofs das Kind bzw. der Jugendliche nicht isoliert von seiner Umgebung gesehen. Das bedeutet, dass von Anfang an die Familie in die pÀdagogische Arbeit mit einbezogen, und gemeinsam nach einer Perspektive gesucht wird. Aus diesem Grund kommt der Zusammenarbeit mit Eltern, sonstigen Familienangehörigen und anderen Personen aus dem bisherigen Lebensbereich der Kinder ein hoher Stellenwert zu und bildet einen Schwerpunkt in unserer Konzeption.
Wir praktizieren gezielte, auf den Bedarf abgestimmte Eltern- und Familienarbeit auf Grundlage der Hilfeplanung.

Eine ausfĂŒhrliche Konzeption unserer Elternarbeit kann auf Wunsch angefordert werden.


Zusammenarbeit mit anderen FachkrÀften, Institutionen und Schulen

Neben den internen Angeboten der Einrichtung pflegen wir eine intensive Zusammenarbeit bzw. holen uns UnterstĂŒtzung bei anderen FachkrĂ€ften und Institutionen wie:
  • niedergelassene Kinder- und Jugend-Psychiater/-Psychotherapeuten
  • andere Therapeuten z. B. LogopĂ€den
  • einem Kinderarzt
  • Kinder- und Jugendpsychiatrie Weissenau
  • St. Lukas - Klinik Liebenau
Im schulischen Bereich sind wir in Kontakt mit:
  • allen Regelschulen der Umgebung,
  • den Schulen fĂŒr Erziehungshilfe
    - Kaspar-Hauser-Schule,
    - Internatsschule Georgenhof,
    - Janusz-Korzcak-Schule (alle Überlingen),
    - Hoffmannschule (Wilhelmsdorf)
  • dem SBBZ Salem mit Förderschwerpunkt Lernen (frĂŒher Förderschule)
  • der Franz-Sales-Wocheler-Schule (ïżœberlingen)
  • den beruflichen Schulen Justus-von-Liebig-Schule und Jörg-ZĂŒrn-Gewerbeschule ebenfalls in Überlingen

Wahrung des Schutzauftrages gemĂ€ĂŸ § 8a SGB VIII

Seit dem Jahr 2005 gibt es im Bodenseekreis eine Gruppe von Mitarbeitern des Jugendamtes und TrÀgern bzw. Jugendhilfeeinrichtungen, die Leistungen nach SGB VIII erbringen, der auch der Kastanienhof angehört. Diese Gruppe hat sich zum Ziel gesetzt, Kindern und Jugendlichen ein gesicherte Aufwachsen zu ermöglichen und den im § 8a SGB VIII beschriebenen Schutzauftrag duch verbindliche Regelungen umzusetzen. In einer Vielzahl von GesprÀchsrunden und Schulungen wurden Regelungen erarbeitet, die das konstruktive Zusmmenwirken aller Beteiligten bei der GewÀhrleistung des Kindeswohls sicherstellen.
Hier sind zu nennen:
- LeitsÀtze zur GewÀhrleistung des Kindeswohls
- Verfahren zur Sicherung des Kindeswohls (Ablaufschemata)
- Aufnahmebogen bei Verdacht auf KindeswohlgefÀhrdung

Der Kastanienhof ist Mitunterzeichner einer Vereinbarung zwischen dem Kreisjugendamt und Diensten und Leistungserbringern im Bodenseekreis ĂŒber die Inanspruchnahme einer "Insoweit erfahrenen Fachkraft" (IEF).